AG Queer

Das ‚kulturelle System der Zweigeschlechtlichkeit‘ (Hagemann-White) strukturiert nicht nur das Denken und Handeln der Akteur_innen in diesem System, sondern (re)produziert fortlaufend dessen strukturelle und symbolische Ordnung. Queer ist das, was jenseits oder an den Rändern dieser Ordnung existiert, an queer muss sich die heteronormative, zweigeschlechtliche Ordnung verschiedentlich abarbeiten, muss es entweder normalisieren oder unsichtbar machen, um in sich stabil zu bleiben: Sei es die biopolitische Präkarisierung nicht-heterosexueller L(i)ebensweisen oder die Psychopathologisierung transgeschlechtlicher Menschen, die strukturelle Unischtbarkeit von Asexualität und nicht-monogamer Beziehungsformen oder die medizinische Zurichtung intergeschlechtlicher Körper hin zu einem der gültigen Geschlechter.

Die Arbeitsgruppe ‚queer‘ der Sektion Frauen- und Geschlechterforschung hat sich im Nachgang des Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS) im September 2016 in Bamberg gegründet. Ihr Ziel ist es, Forschende, die zu diesem Komplex arbeiten, innerhalb der Sektion zu vernetzen und das Thema queer in der Sektion damit sichtbar(er) zu machen. Die AG befindet sich derzeit im Aufbau, aktuell beschäftigen uns neben organisatorischen Fragen vor allem die nach den verschiedenen Zugängen zu queer (und den damit verbundenen Definitionen) und

Die AG geht von einem plural-queeren, maximal breiten Verständnis von queer aus, um innerhalb des Forschungsfeldes keine erneuten Ausschlüsse zu produzieren. Plural-queer denkt damit immer den intersektionalen Bezug mit und meint zudem, dass es keine Fokussierung auf eine bestimmte Form der queerness gibt. Stattdessen sind alle Forschenden willkommen, die sich in irgendeiner Weise (kritisch) mit Heteronormativität und/oder Zweigeschlechtlichkeit auseinandersetzen; dabei gehen wir davon aus, dass bereits die Sichtbarmachung solcher Forschungsthemen eine Form der Kritik sein kann. Forschungen auf mikrosoziologischer Ebene können ebenso Teil des Zusammenhangs sein wie wissenschaftstheoretische Auseinandersetzungen mit Implikationen der Kategorienkritik von queer, Forschungen zu Trans*, Intergeschlechtlichkeit, Mononormativität, Asexualität oder Queer BDSM, … die Liste ließe sich fortsetzen.

Die AG bietet Raum für Vernetzung, Austausch und theoretischer, methodischer und methodologischer Entwicklung von queer theory_practice. Perspektiven können sein, inter- und transdisziplinäre Zusammenarbeiten zu motivieren und so auch über die Grenzen der Sektion hinaus Vernetzungen zu ermöglichen. Die AG strebt die kontinuierliche aktive Teilnahme an Sektionsveranstaltungen an, bspw. in Form von eigenen Panels oder Einzelbeiträgen. Zudem gibt es die Perspektive, einen Sammelband in der Reihe „Forum Frauen- und Geschlechterforschung“ zu gestalten.

Unsere Kommunikation erfolgt über eine Mailingliste. Um aufgenommen zu werden und für weitere Fragen, Anmerkungen oder Anliegen wenden Sie sich bitte an Joris A. Gregor (kommissarische_r Koordinator_in): anja.gregor[at]uni-jena.de.